

Plumps!
Jungvogel gefunden: Was tun?
Was tun, wenn ein Jungvogel aus dem Nest gefallen ist?
Ob in Wäldern, Parkanlagen oder dem heimischen Garten – da, wo im Frühjahr Vögel nisten, besteht die Gefahr, dass ihre Küken versehentlich aus dem Nest kullern. Für den Fall, dass du einen kleinen Piepmatz auf dem Boden findest, ist es wichtig, dass du dich richtig verhältst. Da uns immer wieder Fragen zum richtigen Umgang mit Fundvögeln erreichen, erklären wir dir hier, was zu tun ist.
Wann ist eingreifen sinnvoll?
Nicht jeder Jungvogel, der außerhalb seines elterlichen Nestes sitzt, ist auf menschliche Hilfe angewiesen. Je nach Entwicklung, kommt das Vögelchen auch ohne dein Zutun gut zurecht. Damit du erkennst, ob das scheinbar hilflose Wesen wirklich deine Unterstützung braucht, schau es dir genau an. Unterscheide dabei immer zwischen Nestlingen und Ästlingen.

Nestlinge
nackt oder nur teilweise befiedert
Augen meist noch geschlossen
wackelige Beinchen, können sich nicht eigenständig aufrecht halten
sitzen am Boden
nicht flugfähig
ohne elterliche Fürsorge nicht überlebensfähig, auf Hilfe angewiesen

Ästlinge
vollständig befiedert
Augen vollständig geöffnet
verändertes Jagd-/Spielverhalten
sicherer Stand
flattern bereits kurze Strecken allein
teilweise noch auf elterliche Fürsorge oder Hilfe angewiesen
So handelst du richtig
Wenn du einen Nestling findest, setz ihn am besten sofort zurück in sein Nest, damit er dort weiter von seinen Elternvögeln versorgt werden kann. Er ist ganz dringend darauf angewiesen, von ihnen gewärmt und gefüttert zu werden. In der Regel gilt: Nur, wenn das elterliche Nest nirgends zu finden ist, solltest du ihn mitnehmen und dich dann entweder selbst um ihn kümmern oder ihn an eine Auffangstation zur Pflege übergeben.
Aber Achtung! Per Gesetz ist es in Deutschland verboten, Vogelnester zu berühren und damit brütende Vögel zu stören – obwohl die Überlebenschancen für einen jungen Nestling bei seinen Eltern am größten sind. Wenn du dich also dazu entscheidest, den gefundenen Jungvogel zurück in sein Nest zu setzen, achte unbedingt darauf, dass die Vogeleltern gerade nicht da sind und du nichts am Nest veränderst.
Solltest du einen Ästling entdecken und als solchen erkennen, dann lass ihn unbedingt dort sitzen, wo du ihn gefunden hast. Er braucht keine Hilfe. Dein gefiederter Freund hat sein Nest ganz bewusst verlassen, zum Beispiel, um Flugübungen zu machen. Und meist sind auch die Elternvögel ganz in der Nähe.
Solltest du mal versehentlich einen Ästling in deine Obhut genommen haben, ist es ganz wichtig, dass du ihn in weniger als 24 Stunden wieder zum Fundort zurückbringst. Wenn nicht, wird er sehr wahrscheinlich von seinen Vogeleltern aufgegeben.
Übrigens: Anders als viele Menschen glauben, wird ein Jungvogel nicht von seinen Eltern verstoßen, wenn ein Mensch ihn in der Hand gehalten hat. Der Geruchssinn von Vögeln ist nicht genug ausgebildet, um die Berührung eines Menschen wahrnehmen zu können. Hab also keine Scheu, dein Fundvögelchen vorsichtig anzufassen. Achte beim Absetzen darauf, das Vögelchen nicht auf den Boden, sondern auf eine erhöhte Fläche zu setzen, damit es nicht ins Visier von Fressfeinden gerät.

Was zu tun ist, wenn das Vögelchen verletzt ist
Egal, ob Nestling oder Ästling – wenn der kleine Piepmatz krank oder verletzt ist, solltest du ihn auf jeden Fall mitnehmen und dich umgehend beim Tierarzt, einem Tierschutzverein in deiner Nähe oder einer Auffangstation melden. Ein angeschlagener Vogel braucht immer menschliche Hilfe.
Du kannst seinen Gesundheitszustand feststellen, indem du das Vögelchen auf deine Hand setzt und es in Ruhe betrachtest. Schau nach, ob ein Flügel stark herabhängt, ein Beinchen angeknackst ist, Blutergüsse oder Kratzer zu sehen sind.
Erste Hilfe für gefundene Jungvögel
Du hast einen Jungvogel gefunden und festgestellt, dass er deine Hilfe braucht? Jetzt ist es wichtig, dass er gut versorgt wird. Halte dich dafür an unsere Checkliste:
Kontaktiere eine nahe gelegene Wildvogelstationen und/oder einen vogelkundigen Tierarzt und lass dich zur Artbestimmung und der weiteren Pflege und Fütterung beraten.
Bei Fragen kannst du dich natürlich auch immer an uns vom Allgemeinen Tierhilfsdienst wenden.
Wärme den Vogel mit den Händen oder einem Deckchen.
Kleide einen kleinen Karton mit einer weichen Decke aus, in die der Vogel sich einkuscheln kann und lege ggf. eine lauwarme Wärmflasche oder ein Körnerkissen dazu, hierbei sollte die Temperatur stetig kontrolliert werden.
Profi-Tipp: Rolle eine Wollsocke so auf, dass sich in der Mitte eine Mulde bildet. Ahme damit ein gemütliches Vogelnest für den Kleinen nach.
Setze das Vögelchen zum Transport in einen geschlossenen Karton mit Luftlöchern. Stelle je nach Alter des Vogels und Jahreszeit eine flache Wasserschüssel in den Karton.
Wenn du eine geschützte Art in Obhut genommen hast, informiere bitte das Bundesamt für Naturschutz.
Achtung:
Gib dem Jungvögelchen auf keinen Fall Wasser über eine Spritze oder Pipette. Wenn du ihn auf diese Weise tränken würdest, bestünde die Gefahr, dass Wasser in sein Atemloch im Rachen gelangt und er erstickt.
Unser Fazit zum Schluss: Solltest du ein einsames Vogeljunges finden, entscheide nicht zu voreilig. Nimm dir Zeit, das kleine Geschöpf genau anzusehen, um seine Entwicklung und seinen Gesundheitszustand festzustellen. Handle dann so, wie hier von uns beschrieben.
